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Aktuelle Zeitungsartikel über die Fördergesellschaf Albrecht Daniel Thaer:
Ein neues Domizil für Thaer

Möglin. Durch die mediale Öffentlichkeit sind die Pläne mindestens auszugsweise schon seit einigen Wochen gegeistert. Nun jedoch haben die kommunalen Verantwortungsträger, Vertreter der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer und Architekt Alexander Scholz das Konzept für den Umzug der Gedenkstätte und die Schaffung eines neuen Ausstellungszentrums mit Um- und Ausbau des Gemeindehauses noch einmal im Ort selbst bei einer abendlichen Gesprächsrunde vorgestellt.
Fast 30 Interessenten hatten sich dazu im Saal eingefunden, und viele von ihnen hielten mit zustimmenden Meinungen, aber auch vereinzelter Kritik an bestimmten Punkten nicht hinter den Berg. Allgemein überwog in der Runde jedoch die hoffnungsvolle Erleichterung, dass es auf diese Weise gelingt, das Erbe des großen Reformers der deutschen Landwirtschaft an dessen langjähriger Lebens- und Wirkungsstätte Möglin weiter zu pflegen.
Spätestens bis Jahresende, nach bisherigen Planungen sogar schon weitgehend zum Sommer soll der Anbau im rückwärtigen Teil der Gemeindebaracke fertig sein. Eine moderne Konstruktion nach streng praktischen Gesichtspunkten, welche der Thaer-Ausstellung, die zum Jahreswechsel aus dem einstigen Inspektorenhaus ausziehen musste, eine dauerhafte Heimat bieten soll. Prof. Martin Frielinghaus, Chef der Fördergesellschaft, dankte der Kommune ausdrücklich, dass diese sich zum dem gemeinsamen Projekt bereitgefunden habe.
„Natürlich ist es eine enorme finanzielle Belastung.“ Der Satz fällt an diesem Abend mehrfach, geradeaus und schnörkellos. Eine Wahrheit, der alle ohne Begeisterung, aber auch ohne übermäßige Sorge ins Auge blicken. Gut 156 000 Euro, das mutet für die kleine 770-Seelen-Gemeinde natürlich als geradezu riesenhafte Summe an. Der Eigenanteil für das insgesamt mit 400 000 Euro angesetzte Vorhaben. Doch die Last lässt sich schultern, betont Bürgermeister Wolf-Dieter Hickstein, auch wenn sie vielleicht ein bisschen Verzicht und Warten an anderer Stelle im Haushalt bedeutet.
Und es ist trotz der großzügigen Unterstützung nicht etwa ein riesiges Geschenk für den Verein, auch das wird klargestellt. Die Kommune hätte in das Gemeindehaus sowieso in Größenordnungen investieren müssen. Ohne den nun geplanten Anbau für die Ausstellung hätte es jedoch nicht die Fördermittel aus Fürstenwalde vom Amt für Flurneuordnung gegeben. Die Mehrbelastung für Reichenow-Möglin gegenüber einen reinen Sanierung des Altgebäudes sei damit eher minimal, so Frielinghaus.
Trotzdem bleibt es ein Bekenntnis. Eine ganz bewusste Zeichensetzung, dass Albrecht Daniel Thaer eben nach Möglin gehört, auch wenn die Ausstellung durch den Besitzer der Immobilie aus deren bisherigen Domizil verbannt wird. Am Bielefelder Ekhard Horstmeyer, dem der ganze ehemalige Gutshof gehört, wird durch die anwesenden Bürger immer wieder Kritik laut. Doch die Umstände um den 1996 erfolgten Verkauf, der im vorigen Jahr nun endgültig abgewickelt wurde, seien nun einmal nicht zu ändern, machen Bürgermeister, Amtsdirektor und einzelne Gemeindevertreter deutlich. Zumindest bleibe auch der Park öffentlich zugänglich, obgleich dessen aktueller Pflegezustand alles andere als befriedigen könne. Der Kommune sind diesbezüglich aber weitestgehend die Hände gebunden. „Er ist ordnungsgemäßer Eigentümer“, so Hickstein, und Martin Frielinghaus ergänzt: „Das Freimachen der Sichtachsen steht nicht im Vertrag, ist also nicht einklagbar. Wir können höchstens eingreifen, wenn ein Baum auf die Grabstätte fällt oder die Büste beschädigt.“
Thaer in Möglin, das ist letztlich auch ein wichtiger Punkt in Sachen Tourismusförderung. Der neue Radweg von Strausberg an die Oder führt durch die Gemeinde, und die Gedenkstätte ist da natürlich eine besondere Attraktion. Auch und vielleicht gar noch mehr in der Zukunft, wenn an der neuen Stelle Interessenten einen umfassenden Einblick in das Lebenswerks des „Vaters der modernen Landwirtschaft“ nehmen können. 40 laufende Meter Wandfläche für die Ausstellungstafeln werde der Anbau gemäß den Wünschen und Bedürfnissen des Vereins bieten, erläutert Architekt Scholz. Folglich wird die Tageslichtbeleuchtung mittels Fenstern auf ein Minimum reduziert, stattdessen oben ein sogenannter Lichtshed geschaffen. Insgesamt eine sehr mutige, moderne, futuristisch anmutende Konstruktion, die längst nicht allen im Dorf behagt.
„Das passt doch irgendwie nicht hierher“, macht ein Bürger am Tisch seinen Bedenken Luft. Doch es ist Frielinghaus noch vor Scholz, der dieses Argument weitgehend entkräftet. „Natürlich hätten wir lieber ein historisches Gebäude gehabt“, betont der Vorsitzende der Thaer-Gesellschaft. Da dies aber eben nicht möglich sei, wäre etwas ganz Neues allemal besser als ein irgendwie geartetes Imitat, das künstlich auf Alt daherkomme. Zumal es bis auf ganz wenige Ausnahmen eben keine Originalgegenstände aus Thaers Zeit, sondern Nachbauten sind, die in der Ausstellung präsentiert werden. Ganz nebenbei hätten zudem auch die Denkmalschutzbehörden die bauliche Kombination ausdrücklich genehmigt.
Die große Herausforderung für die Beteiligten besteht nun darin, mit den Baukosten einigermaßen im Rahmen zu bleiben. Die zugrunde liegenden Zahlen stammen zumeist von Ende 2006, seither haben sich viele Preise teils deutlich erhöht. Dennoch sei es zu schaffen, geben sich Architekt und die anderen optimistisch. Erst vor zwei Wochen habe man noch einmal zusammengesessen und die Planungen für die Dachkonstruktion leicht abgeändert, auch an anderer Stelle sind Kosteneinsparungen vorstellbar. Beispielsweise dann, wenn bei der Pflasterung auf dem Vorplatz nur das Material gekauft werde, das Verlegen dann in Eigenleistung erfolge.
Das Mittun der Bürger ist gefragt, ganz konkret beim Abriss des alten Schuppens, der in einer an frühere Subbotniks erinnernden Dorfgemeinschafts-Aktion über die Bühne gehen könnte. Überlegt wird, auch die Feuerwehr zu bestimmten Arbeiten ins Boot zu holen – die Kameraden könnten sich damit sogar eine kleine Prämie verdienen.
Frielinghaus lobte außerdem die Toleranz des derzeit noch in einem Gebäudeteil der Baracke wohnenden Mieters, der erst demnächst auszieht und bereits bei den ersten Arbeiten einige Einschränkungen in Kauf nehmen wusste. Der große Gemeinderaum bleibt übrigens unverändert bestehen. Abgetrennt mit einer neuen Zwischenwand wird lediglich der Sanitärbereich, der künftig in doppelter Weise auch gleich mit für die Ausstellungsbesucher nutzbar sein soll.

(Text: Thomas Berger, Märkische Oderzeitung 5./6. März 2008, Märkischer Markt, Blickpunkt Freienwalde)

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