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Aktuelle Zeitungsartikel über die Fördergesellschaf Albrecht Daniel Thaer:
Schließung und Neuanfang zugleich
Tage der Thaer-Gedenkstätte am traditionellen Ort sind inzwischen gezähltMöglin. Einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr ohne Not. Und auch, wenn Hermine Sell durchaus nicht als solcher bezeichnet werden kann, so ist sie doch verwurzelt in den Räumlichkeiten, wo das Museum seit so vielen Jahren seinen Sitz hat. 1994 hat sie hier angefangen, und seitdem ist das ehemalige Inspektorenhaus auf dem Gutsgelände für die treue Hüteren der Albrecht-Daniel-Thaer-Gedenkstätte so etwas wie ein zweites Zuhause geworden.
Doch die Tage in dem traditionsreichen Gemäuer sind nunmehr gezählt. Immer wieder war die von der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer getragene Einrichtung von Kündigung und Rausschmiss bedroht, bestand die Gefahr, dass die umfangreiche Sammlung zu Leben und Wirken des Begründers der modernen deutschen Agrarwirtschaft binnen kurzem ohne ein Dach über dem Kopf dastehen würde. Immer wieder konnte das zwar in letzter Minute abgewendet werden, doch gegen die jüngste Kündigung des Gutes-Eigentümers zum Ende dieses Jahres gibt es keine juristische Handhabe. Der Verein, der auch bei der zwischenzeitlich im November angesetzten Zwangsversteigerung des Anwesens mitgeboten hätte (die dann allerdings ausgesetzt wurde), muss sich notgedrungen den neuen Realitäten stellen. Zum 31. Dezember schließt das Museum, und Hermine Sell wird letztmalig den Weg zu ihrem Arbeitsplatz im „Professorenhaus“ antreten.
Ein bisschen wehmütig ist ihr deshalb schon ums Herz, doch mindestens ebenso stark ist da die Vorfreude. Denn alle Befürchtungen zum Trotz bedeutet der Stichtag keineswegs das Aus für die aktive Erinnerung an das Wirken Thaers in Möglin, den Empfang für Museumsbesucher von nah und fern. Eine Kapitulation des Vereins vor den Schwierigkeiten wäre vorstellbar gewesen, eine Verlagerung wenigstens eines Großteils der Ausstellung nach Müncheberg, wo am ZALF ohnehin mehrere bekannte Mitglieder der Fördergesellschaft tätig sind. Das kleine Dorf Möglin allerdings, authentischer Erinnerungsort an den Landwirtschaftsreformer, hätte dabei aber sein wichtigstes Aushängeschild und Besucherattraktion eingebüßt.
Das wäre auch alles andere als im Sinne der Kommune gewesen. Deshalb haben Gemeinde und Verein nun während der zurückliegenden Monate an einer gemeinsamen Lösung gestrickt, Konzepte entwickelt, Ideen diskutiert. Herausgekommen bei den konstruktiven Beratungen ist der Plan, unter Einbeziehung des existierenden barackenartigen Gemeindehauses im Ortszentrum, ganz in der Nähe des 2006 auf Initiative der Fördergesellschaft aufgestellten Thaer-Gedenksteins, eine etwa 180 Quadratmeter große Ausstellungsfläche in Form eines Pavillons zu schaffen.
Damit würde die Gedenkstätte kaum fünf Gehminuten vom bisherigen Standort eine langfristige Perspektive erhalten. Zumindest auf den diversen Zeichnungen kann Hermine Sell schon zeigen, wie es denn künftig aussehen soll. Dort hätte die Sammlung genügend Platz, um angemessen präsentiert zu werden. Die „Baracke“ werden sich Gemeinde und Verein nach Um- und Ausbau teilen. Natürlich bleibt der kommunale Raum für Versammlungen, Frauentags- und Seniorenfeiern. Ansonsten werden dort Büro, Empfangsraum, Archiv und Bibliothek der Thaer-Gedenkstätte ihr Domizil finden. „Vielleicht finden wir ja bei all den Veränderungen auch Platz für den Teil der Landwirtschaftsgeschichte, die der Zeit nach 1945 in Ost und West umfasst“, wünscht sich Hermine Sell. Und auch ein würdiger Platz für das Ölgemälde, das sich derzeit nur hinten in der kleinen Bibliothek befindet, ist nicht ausgeschlossen.
Die Planungen laufen auf Hochtouren, die veranschlagten Kosten für das Vorhaben wurden in einer Pressemitteilung des Vereins im Frühjahr auf rund 375 000 Euro beziffert. Etliche Details müssen noch geklärt werden, doch zumindest der große Weg ist vorgezeichnet. Dankbar sind Fördergesellschafts-Geschäftsführer Prof. Dr. Martin Frielinghaus, Museumsleiterin Hermine Sell und alle Mitstreiter auch, dass die derzeitigen Mieter der beiden Wohnungen in dem Gebäude den Umbau ermöglichen, indem sie ohne größeres Klagen umziehen.
Für die Fördergesellschaft ist das Projekt ein großer Brocken, wahrhaftig eine Investition in die Zukunft. Immerhin zählt der Verein aber inzwischen 199 Mitglieder. Allein etwa 40 von ihnen sind Nachfahren des Agrarreformers, fünf tragen noch seinen Familiennamen. Die Älteste, die dem Thaer sogar ein „von“ voranstellen darf, ist mittlerweile 94, wie Museumsleiterin Hermine Sell berichtet.(Text: Thomas Berger, Märkischer Markt 29./30. 8. 2007)
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