Das Denkmalensemble THAER in MÖGLIN
Etwa eine halbe Meile vom Westrande des Oderbruchs entfernt liegt Möglin, ein nur zwölf Häuser zählendes, weder durch Größe noch Bodenbeschaffenheit ausgezeichnetes Dorf, dem nichtsdestoweniger der Ruhm zufiel, in alter und neuerer Zeit unter den historischen Dörfern des Landes genannt zu werden.
In: Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 2 - Das Oderland.
Der Ruhm, den der unscheinbare Ort umweht, liegt in der Person des Mediziners Albrecht Daniel Thaer begründet. Im Alter von 52 Jahren verließ er 1804 seine Heimatstadt Celle, erwarb das Rittergut Möglin und siedelte zusammen mit seiner Familie und einer Gruppe enger Mitarbeiter nach Möglin. Hier wurde er ganz zum forschenden und lehrenden Landwirt, setzte seine in Celle begonnene Arbeit fort und formte aus dem heruntergekommenen Rittergut eine Musterwirtschaft. 1806 wurde eine Lehranstalt eröffnet, die ab 1819 "Königlich Preußische Akademische Lehranstalt des Landbaus zu Möglin" hieß und bis 1861 bestand. In Möglin entstanden zahlreiche Publikationen, zwischen 1809 und 1812 sein Hauptwerk, die vierbändige Ausgabe der "Grundsätze der rationellen Landwirthschaft". Am 28. Februar 1828 verstarb er im Alter von 76 Jahren, sein Grab befindet sich im Park unmittelbar neben der Mögliner Dorfkirche.
Die frühere Thaersche Wirkungsstätte mit dem Wirtschaftshof, dem Gutshaus, dem Inspektorenhaus, dem Gutspark mit Thaergrab und der kleinen Dorfkirche steht unter Denkmalschutz, außerdem die 1912 errichtete Dorfschule (Einklassenschule mit Lehrerwohnung).
Zum Denkmalensemble THAER in MÖGLIN gehören:
der historische Gutshof,
die Kirche,
der Gutspark mit Thaergrab und Thaerbüste,
das 2009 neu eröffnete Ausstellungsgebäude,
der Gedenkstein (Findling).
Historischer Gutshof
Das Gutshaus wurde 1592 durch Henning von Barfuss erbaut. Thaer erwarb es 1804 als Wohnsitz und erweiterte es um einen Anbau. Seit den 60-ger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde es als Internat für landwirtschaftliche Lehrlinge, als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gemeinde Möglin und für Veranstaltungen der verschiedensten Art, insbesondere der Weiterbildung, genutzt. Bis 2001 gab es im Haus ein für Jedermann zugängliches Thaerzimmer. Der historische Thaerhof ist heute privatisiert und steht der Öffentlichkeit nur eingeschränkt zur Verfügung.
Das aus der Thaer'schen Zeit stammende Inspektorenhaus, auch Professorenhaus genannt, wurde in der für die Mark Brandenburg typischen Bauweise aus Feld- und Ziegelsteinen errichtet. In diesem Haus wurde nach Umbaumaßnahmen 1992 die durch die Fördergesellschaft erarbeitete Dauerausstellung zu Albrecht Daniel Thaer feierlich eröffnet. Außerdem bekam die ein Jahr zuvor gegründete Fördergesellschaft hier ihren Sitz. 2007 kündigte der damalige Eigentümer die Räume, Ausstellung und Sitz der Fördergesellschaft waren gezwungen auszuziehen.
Kirche
1598 wurde die nahe gelegene Feldsteinkirche von Henning von Barfuss auf altem Fundament neu errichtet. 1945 wurde die Kirche schwer zerstört, nur Teile der Umfassungsmauern blieben stehen. 1962 wurde die Kirche mit vollständig erneuertem Dachstuhl wieder eingeweiht. Wiederholte Risse im Feldsteinmauerwerk machten eine fachgerechte Kirchensanierung unumgänglich. Nach Abschluss der Sanierung konnte die Kirche 2004 als weiterer Ausstellungsort gewonnen werden. Die für diesen Ort neu konzipierte Ausstellung "200 Jahre Thaer in Möglin" entstand aus Anlass der 200. Wiederkehr des Kaufes von Möglin durch Thaer im Jahr 1804.
Gutspark mit Thaergrab und Thaerbüste
Der ehemalige Dorfteich mit seiner Wasserfläche prägt den kleinen Landschaftspark, das einfache Wegesystem beschränkt sich im wesentlichen auf den Uferweg um den Teich, umstanden von alten Bäumen. Im Park befinden sich das Thaergrab nahe der Kirche und eine Stele mit Thaerbüste, aufgestellt 1978 zum 150. Todestag.
Neues Ausstellungsgebäude
Gemeinsam mit der Gemeinde Reichenow-Möglin wurde in den Jahren 2008/09 ein neues Ausstellungsgebäude am Park in der Nähe des historischen Gutsensembles errichtet. Das neue Gebäude wurde am 19. März 2009 feierlich eröffnet. Es beherbergt die überarbeitete Dauerausstellung aus dem vormaligen Inspektorenhaus und ist zugleich der Sitz der Fördergesellschaft.
Gedenkstein
2006 wurde anlässlich der 200. Wiederkehr der 1806 gegründeten Mögliner landwirtschaftlichen Lehranstalt ein Gedenkstein (Findling) in unmittelbarer Nähe zum Historischen Gutshof aufgestellt.
Weitere Details, illustriert mit wundervollen Fotos, erfahren Sie z.B. aus den Büchern (siehe Thaer-Shop):
Auf den Spuren Albrecht Daniel Thaers. Möglin und seine Umgebung (Text-Bildband, 1994)
Albrecht Daniel Thaer in Brandenburg und Berlin. Agrarhistorischer und kulturhistorischer Reiseführer (2004)