Die landwirtschaftlichen Lehrinstitute
Bereits in Celle richtete Thaer ein landwirtschaftliches Lehrinstitut ein und begann mit dem ersten Sommerkurs 1802. Zu den ersten Teilnehmern gehörten Johann Heinrich von Thünen und Max Schönleutner. 1803 wird von etwa zwanzig Schülern im Sommerkurs berichtet. Die meisten Lehrveranstaltungen übernahmen Thaer und Heinrich Einhof, letzterer die naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer.
Nach seiner Übersiedlung 1804 gemeinsam mit Einhof wurde bereits 2 Jahre später am 1. November 1806 das Mögliner landwirtschaftliche Lehrinstitut unter denkbar schwierigen Bedingungen eröffnet. Zielgruppen für das Studium waren Gutsbesitzer, zukünftige Kameralisten (Geschäftsleute und Staatsdiener) sowie Verwalter und Pächter großer Betriebe. Zwischen 1810 und 1819 lehrte Thaer außerdem an der neu gegründeten Berliner Universität als außerordentlicher Professor für Kameralwissenschaften. Im Wintersemester las und lebte er in Berlin, im Sommersemester wurden die Lehrveranstaltungen überwiegend seminaristisch in Möglin abgehalten. Mit dem Ausscheiden Thaers aus dem Berliner Extraordinariat wurde das Mögliner Lehrinstitut 1819 in den Rang einer Akademie erhoben, es durfte sich fortan "Königlich Preußische Akademie des Landbaues zu Möglin" nennen.
Nach seinem Tod 1828 übernahm der Sohn Albrecht Philipp Thaer Rittergut und Akademie, das Mögliner Lehrinstitut wurde unter seiner Leitung bis 1861 unter großen Schwierigkeiten fortgeführt. Mit den Jahren konnte es jedoch den wachsenden wissenschaftlichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. 1861 wurden das Mögliner Lehrinstitut und das 2 Jahre zuvor an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität gegründete Landwirtschaftlichen Institut vereinigt, am 30. September 1861 folgt die Schließung der Mögliner Akademie.
Zu den wichtigen Lehrkräften neben Thaer zählten Carl Philipp Sprengel, Heinrich Einhof, Georg Ernst Wilhelm Crome, Heinrich Friedrich Franz Körte und Johann Gottlieb Koppe.
Zwischen 1806 bis 1862 wurden am Mögliner Lehrinstitut 776 Schüler ausgebildet, davon 621 Schüler aus Deutschland und 155 aus dem Ausland (u.a. Rußland, Polen, Dänemark, Ungarn, Schweden, England, Frankreich, Griechenland, Brasilien, ...). Viele Familien waren im Absolventenverzeichnis mehrfach vertreten.
Nach dem Mögliner Vorbild enstanden in Deutschland weitere landwirtschaftliche Institute bzw. Akademien, u.a.:
1818 in Hohenheim durch Johann Nepomuk von Schwertz
1822 in Schleißheim (1852 verlegt nach Weihenstephan) durch Max Schönleutner
1826 in Jena durch Friedrich Gottlob Schulze
1829 in Tharandt durch August Gottfried Schweitzer
1835 in Eldena durch Friedrich Gottlob Schulze
1842 in Regenwalde durch Carl Philipp Sprengel
Ausführliche Beiträge zu diesem Thema sind in THAER HEUTE erschienen (siehe Thaer-Shop):
THAER HEUTE Bd. 3 (2006) mit dem Titel "200 Jahre Agrarwissenschaften in Berlin-Brandenburg"
THAER HEUTE Bd. 9 (2013): Die Hörer der Thaers in Möglin von 1806 bis 1861. 1. Teil: Alphabetische Zusammenstellung. S. 111-130
THAER HEUTE Bd. 11 (2016): Die Hörer der Thaers in Möglin von 1806 bis 1861. 2. Teil: Chronologisches Verzeichnis. S. 3-122