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Müncheberg

Erstmalig erwähnt wurde Müncheberg im Jahre 1232 und ist damit etwas älter als Berlin. Überhaupt ist die Stadt eine der ältesten der Mark Brandenburg. Die Gründung geht zurück auf das Zisterzienserkloster Leubus bei Breslau. Die Siedlung lag auf einem kleinen Sandberg inmitten einer abflusslosen Senke. Sie diente u. a. als Übernachtungsstation für durchreisende Mönche. Durch die günstige Lage an der Handelstraße von Berlin nach Osten entwickelte sich der Ort sehr schnell. Müncheberg erhielt nicht nur das Recht zum Bierbrauen und Münzprägen, sondern auch zu eigener Gerichtsbarkeit und zur Kornschifffahrt auf der Oder. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Müncheberg gleich dreimal weitgehend zerstört. Nachdem Hussiten 1432 und der Dreißigjährige Krieg entsetzliche Spuren hinterließen, gab es die letzten Zerstörungen im Frühjahr 1945. Damals, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges, wurde Müncheberg zu 80 Prozent in Schutt und Asche gelegt.

 

Münchebergs Besucher können auf den Spuren eines mittelalterlichen Städtchens wandeln, denn der Ort verfügt über eine 1.800 Meter lange, relativ gut erhaltene mittelalterliche Stadtmauer, die den Stadtkern fast vollständig umschließt. Sie ist eine der längsten Stadtmauern Norddeutschlands. Die beiden Türme der mittelalterlichen Verteidigungsanlage, Berliner Torturm und Küstriner Torturm, sind ebenfalls erhalten. Im Torwächterhaus und dem Torturm des Berliner Tors befinden sich die Touristinformation und eine stadtgeschichtliche Ausstellung. An den Mauern des Küstriner Torturm hängt eine Keule, über der folgender Spruch steht:

 

Wer gibt seinen Kindern Brod

Und leidet selber Noth

Den soll man schlagen

Mit dieser Keule todt.

 

Hinter diesem rätselhaften Vers steckt die Geschichte eines wohlhabenden Tuchmachers, der einst in Müncheberg lebte. Er vermachte schon zu Lebzeiten sein Hab und Gut seinen Kindern. Als er selbst jedoch älter und hilfsbedürftig wurde, kümmerte sich niemand um ihn. Zur Warnung an andere wurde dieser Spruch mitsamt der Keule 1394 an diese Stelle gehängt.

 

Die aus der Ortsgründung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hervorgegangene Stadtpfarrkirche Sankt Marien wurde in der Endphase des Zweiten Weltkrieges 1945 zerstört. Lange Zeit trotzten die Trümmer Wind und Wetter. Seit der Sanierung 1997 ist die Kirche mit ihrem vom Kirchenschiff abgerückten Schinkelturm aus dem Jahre 1829 nicht nur Veranstaltungsort für Konzerte, sondern beherbergt auch die Stadtbibliothek. Eine Turmbesteigung bietet einen reizvollen Rundblick über die Stadt und ihre Umgebung.

 

Der Naturkundliche Tiergarten ist besonders für Familien lohnenswert. Hier können heimische Waldtiere wie Wildschweine oder Rehe und am Paddenpfuhl die Wasserwelt beobachtet werden.

 

Jüdische Bürger und Hugenotten haben auch einen Beitrag in der Stadtentwicklung hinterlassen. Der alte Jüdische Friedhof wurde außerhalb der Stadtmauern an der Straße nach Eggersdorf angelegt und ist von drei Seiten mit Mauern umgeben. Die ältesten Daten auf den Grabsteinen gehen zurück bis ins Jahr 1762. In der Französischen Straße lebten ab 1699 hier ansässige Hugenotten.

 

Seit 1928 ist Müncheberg ein Zentrum der Agrarforschung. Zunächst gründete der Arzt und Genetiker Erwin Baur das Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es das Institut für Acker- und Pflanzenbau und ab 1970 das Forschungszentrum für Bodenfruchtbarkeit der Landwirtschaftsakademie der DDR. 1992 wurde das heutige Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) gegründet. Das ZALF ist der größte Arbeitgeber der Stadt.

 

Am Ortausgang von Dahmsdorf in Richtung Münchehofe bietet sich von der dortigen Höhe (75,7 Meter NN) ein eindrucksvoller Blick auf die Märkische Schweiz.