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Kunersdorf

Die erste Erwähnung als „Conradsdorp“ war im Jahre 1340. Damals befand sich Kunersdorf im Besitz Heinrich II. von Barfus. Dessen Nachfahren haben 400 Jahre die Entwicklung des Gutes bestimmt. Die Ortschaft hatte besonders unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges gelitten. Im Jahre 1704 waren erst sechs Höfe wieder besetzt. Bekanntheit erlangte Kunersdorf durch die Gutsherrin Helene Charlotte von Friedland (siehe auch Altfriedland).

 

General von Lestwitz (1718 - 1788) kaufte das Gut Kunersdorf im Jahre 1763. 1767 erhielt Lestwitz die königliche Genehmigung zum Bau des Schankkruges (Dammkrug). Das Kunersdorfer Schloss entstand in den Jahren von 1771 – 1774 und wurde der Familiensitz. Der gesamte Gutskomplex Kunersdorf-Altfriedland-Pritzhagen-Bollersdorf befand sich nach dem Tod ihres Vaters von 1789 bis 1803 im Eigentum der Helene Charlotte von Friedland (1754-1803), der Tochter des Generals. Nach ihrem Tod ging er über in den Besitz ihrer Tochter Henriette Charlotte (1772-1848) und deren Ehemann Graf Peter Alexander von Itzenplitz (1768-1834).

 

Mit beiden Eigentümern hatte Albrecht Daniel Thaer engen Kontakt. Thaer lernte die Frau von Friedland, geborene von Lestwitz und geschiedene von Borcke, bereits bei seinen Reisen nach Preußen 1799 und 1801 kennen und schätzen: Die Frau war geschieden, fungierte als Alleinerziehende ihrer Tochter. Sie administrierte ihren Gutskomplex in vorbildlicher Weise selbst, veranlasste Aufforstungen auf den durch Erosion geschädigten Hängen bei Pritzhagen in der Märkischen Schweiz, teilweise mit ausländischen Gehölzen. Die hervorragenden Kenntnisse in der Landwirtschaft, Botanik, Naturwissenschaften, Kunst und Literatur erwarb sie im Selbststudium. Sie war nicht nur eine innovative Landwirtin, sondern auch eine hoch gebildete und geistreiche Gastgeberin im Sommer auf Schloss Kunersdorf, während des Winters in der Stadtwohnung im Nicolaischen Haus in der Berliner Brüderstraße. Hier verkehrten neben Albrecht Daniel Thaer, auch die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt, der Verleger Friedrich Nicolai, der Historiker Leopold von Ranke, die Bildhauer Schadow und Rauch, der Rechtswissenschaftler Friedrich Carl von Savigny, der vielseitige Adelbert von Chamisso u. a.

 

Die Bekanntschaft mit der Frau von Friedland war sicher ein entscheidender Grund für Thaer, sich 1804 im benachbarten Möglin niederzulassen. Er widmete ihr den 3. Band seiner „Einleitung zur Kenntniß der englischen Landwirthschaft“ von 1804. Die „Einleitung“ hatte ihn über die Grenzen seines engeren Wirkungskreises hinaus bekannt gemacht.

 

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter im Jahr 1803 übernahmen die Tochter Henriette Charlotte und ihr Mann Peter Alexander von Itzenplitz den Gutskomplex der Frau von Friedland. Die Tochter teilte die Leidenschaft zur Botanik und das wissenschaftliche Interesse ihrer Mutter. Die Kontakte zu Thaer blieben eng, der beide Frauen hoch achtete. Hatte doch der spätere Graf von Itzenplitz mit seiner freundschaftlichen Vermittlung und Befürwortung entscheidenden Anteil bei der Übersiedlung Thaers vom Hannoverschen Celle ins Preußische Möglin.

 

Im Schlosspark erinnert ein Denkmal an die Frau von Friedland. Ein Thaerzitat aus dem 3. Band seiner „Einleitung zur Kenntniß der englischen Landwirthschaft“ schmückt diese Gedenkstätte: „Ihr Geist, der jeder Vervollkommnung mit rastloser Thätigkeit entgegenstrebte und alles erreichte, was erreichbar war, hat solche Denkmäler seines Hierseins auch im Fache der Landwirthschaft hinterlassen, daß ihr Name bei Landwirthen keines anderen bedarf.“

 

Die klassizistische Grabmalanlage auf dem Kunersdorfer Friedhof wurde von den Meistern des Berliner Klassizismus Schadow, Rauch, Tieck und Hagen angefertigt. Die Säulenkolonnade ist aus Marmor und besteht aus neun halbkreisförmigen Nischen, in denen die Grabdenkmäler von vier Generationen der Familien von Lestwitz und von Itzenplitz aufgestellt sind. Ganz rechts steht heute in einer Nische das Grabmal für General Hans Georg Sigismund von Lestwitz, daneben seine Frau. Links neben den beiden Grabmälern befindet sich die Nische ihrer Tochter Helene Charlotte von Friedland. Der Zweite Weltkrieg konnte den Grabkolonnaden, die sich auf dem Friedhof neben der Dorfkirche befinden, nichts anhaben.

 

Kunersdorf war Anfang des 19. Jahrhunderts in den Sommermonaten des "Weimar der Mark Brandenburg". Aus diesm Grund pflegt der Findling-Verlag den Kunersdorfer Musenhof und erinnert mit der Ausstellung "Kunersdorf und die Frauen von Friedland" in der Kirche und mit der Ausstellung "Das Leben und Werk des deutsch-französischen Schriftstellers Adelbert von Chamisso" an diese Zeiten.

 

Die schweren Kampfhandlungen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Frühjahr 1945 hatten das Dorf, das Schloss und die barocke Kirche sehr stark beschädigt. Die neue Kirche wurde von 1951 bis 1955 erbaut und ist heute ein Wahrzeichen von Kunersdorf.

 

An der Straße zwischen Kunersdorf und Neutrebbin steht der Dammkrug. Dieses Vorlaubenhaus besitzt ein Krüppelwalmdach, drei Bogenfenster und ein auf fünf Pfeilern ruhenden Giebel. Der einstige Schankkrug entstand 1767 durch Lestwitz und ist heute ein Wohnhaus.

 

 

 

 

 

 

 

Kirche in Kunersdorf  Grabkolonnaden

Denkmal an die Frau von  Friedland im Schlosspark  Parkanlage in Kunersdorf

 

 

  • Kunersdorfer Musenhof mit Ausstellungen „Kunersdorf und die Frauen von Friedland“ und "Das Leben und Werk des deutsch-französischen Schriftstellers Adelbert von Chmisso"